Interdisziplinäres und transnationales Forschungs- und Entwicklungsprojekt von Partnerinstitutionen in Südafrika und der Schweiz
Die rasanten Transformationsprozesse der Gegenwart sind mit globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Migration, Künstliche Intelligenz u.a. verbunden. Auf lokaler Ebene erzeugen diese kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen Unsicherheiten und Spannungslagen. Um einen produktiven Umgang mit den darin entstehenden Machtdynamiken zu finden, werden neue Lern-Räume und Begegnungszonen benötigt. Hierin kann um die Deutungshoheit von Identitäten gerungen, die ungleich verteilten Zugänge zu Ressourcen und die vorhandenen resp. nicht vorhandenen Partizipationsmöglichkeiten problematisiert sowie die (Un)Möglichkeiten der Mitgestaltung an einer gerechteren Umwelt kritisiert werden. Entstehen in diesen Räumen „Kontaktzonen“, eröffnen sie die Möglichkeit, vertraute Positionen zu hinterfragen und nuancierte (Neu)Positionen zu imaginieren. Wir verstehen «Critical Diversity Literacy» als analytisches Werkzeug, das uns hilft, unsere Umwelten lesen zu lernen und in kritisch-kollektiven Praxen neue Imaginationen zu entwickeln.
Die Schlüsselkomponente unseres Projekts, das 2016 initiiert wurde, ist der transnationale Forschungsaustausch der Professuren für Kulturvermittlung/Theaterpädagogik und Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz mit dem Wits Centre for Diversity Studies an der University of the Witwatersrand in Johannesburg, das von Professor Dr. Melissa Steyn geleitet wird.
Mit ihren machtanalytischen Forschungsarbeiten zu Critical Diversity Literacy eröffnet Melissa Steyn die theoretische und analytische Grundlage für das transnationale Forschungs- und Entwicklungsprojekt «Critical Diversity Literacy arts & further education», mit dem – informiert über Theorien und Praxen der Künste – bildungstheoretisch fundierte (Weiter)Bildungsräume konzipiert und eröffnet werden. Im kollektiven Austausch wird eine Analyse von sozialen und kulturellen Machtverhältnissen, deren Geschichtlichkeiten, von Zuschreibungen und normativen Setzungen gegenüber «Anderen» und den damit einhergehenden Prozessen der Ein- und Ausgrenzung entwickelt.
Wir verstehen Kunst als ein sozial situiertes, ein positioniertes und schliesslich auch ein verkörpertes subjektives Handeln, das sich in geschichtlichen Kontexten darstellen lässt und diese auch mannigfach thematisiert. Die darin aktivierten Werkzeuge und das damit verbundene Wissen sind Voraussetzung für künstlerisches Handeln und obliegen – in Resonanz mit Technik und Gesellschaft – stetigen Veränderungen. In den verschiedenen Erscheinungsformen kann Kunst unsere Realitäten veruneindeutigen, den «gewöhnlichen» Alltag (sei es als Utopie oder Dystopie) stören und erweitern. Dank ihren haptisch sinnlichen Qualitäten können Kunstwerke eine scheinbar gegebene, genormte Wirklichkeiten mit weiteren Imaginationen durchkreuzen, um uns so in ein vorstellbares anderes Jetzt zu transportieren.
«Kontaktzonen» sind Formen kollektiv erstellter Räume, in denen unterschiedliche soziale und kulturelle Positionen aufeinandertreffen und eine räumliche Ordnung unter gegebenen Machtverhältnissen performativ immer wieder neu hervorgebracht wird (Pratt 1996). Das Konzept der „Kontaktzone“ wird in der feministischen Theorie, der Critical Race Theory und den Postcolonial Studies verwendet (vgl. Sternfeld 2013). Kontaktzonen «konstituieren sich durch wechselseitige Bewegungen von Menschen, Objekten, Nachrichten, Waren und Geld» (Clifford 1997).
Wir untersuchen, wie und unter welchen Bedingungen Kontaktzonen konstelliert werden können, in denen analytisch-distanziert auf strittige Beziehungen und machtvolle Verhältnisse reflektiert werden kann. In der Realisierung von Kontaktzonen und im Einsatz von «Critical Diversity Literacy, Arts and Further Education» werden analytische Fähigkeiten und ein tieferes Verständnis von gesellschaftlichen Machtverhältnissen und die sie begleitenden Ein- und Ausgrenzungen entfaltet. Die Beteiligten entwickeln darüber hinaus eine Entwicklungsgrammatik, d.h. eine Perspektive, die ein anderes, besseres menschliches Zusammenleben imaginierbar macht und Handlungsoptionen mit Blick auf die Gestaltung offener Zukünfte eröffnet.
Die Ziele des mehrjährigen Forschungsprojekts waren und sind: