Gemäss ihren Strategischen Leitlinien 2025 beabsichtigt die FHNW, der zunehmenden Vielfalt von Studierenden in der Gestaltung des Studiums gezielt Rechnung zu tragen und Diversity-Kompetenz in allen Aufgabenbereichen zu fördern.
Das im Rahmen des Aktionsplans Chancengleichheit FHNW durchgeführte Projekt verfolgt das Ziel, ein Weiterbildungsangebot zu Heterogenität und Hochschullehre auf der Basis von Überlegungen zu einer «Critical Diversity Literacy» zu entwickeln, durchzuführen und zu evaluieren. Dabei wird kein instrumentelles Verständnis von Diversity-Kompetenz (im Sinne von Tools und Tipps für den «Umgang mit Vielfalt») vermittelt, sondern ein Ansatz kritischer (Selbst-)Reflexion verfolgt. Es geht darum, soziale Konstruktionen der Wahrnehmung und Herstellung von Unterschiedlichkeit in der Hochschullehre in diesem Weiterbildungssetting (als «Kontaktzonen») sichtbar und erlebbar zu machen. Dabei werden nicht nur Benachteiligungen, sondern auch Privilegien in den Blick genommen und z.B. über Methoden aus der Kunstvermittlung in Verhandlung gebracht, um neue Handlungsoptionen zu generieren.
Die programmatische Handlungsorientierung des Konzepts der Critical Diversity Literacy wird in diesem Projekt für die Analyse und Bearbeitung impliziter Normalitäts- und Wissensordnungen der Hochschule fruchtbar gemacht. Die Fachhochschulen in der Schweiz haben im Zuge der Vereinheitlichung und Akademisierung der höheren Berufsbildung an Bedeutung gewonnen und sind weiterhin breiter zugänglich und – hinsichtlich der Klassenzugehörigkeit – auf allen Ebenen diverser als die Universitäten.
Im Zentrum der Entwicklungsarbeit steht eine kollektive Suchbewegung. Die zentrale Herausforderung besteht in der Konzeption und Gestaltung einer spezifischen Räumlichkeit, in der vielfältige Interaktionen zwischen Menschen, die unterschiedlich in die Machtstrukturen der Hochschule involviert sind, möglich werden. In diesen konkreten Begegnungen werden jene machtvollen Verhältnisse und Strukturen einer kritisch-performativen Lektürepraxis unterzogen, mit denen die Hochschule Zugangsberechtigungen erteilt und Zugänge versperrt, Berufsbiografien anbahnt und Aufstiegsambitionen systematisch auskühlt, intersektionale Diskriminierungen prozessiert und soziale Chancen und Privilegien zu- und verteilt.
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«Weiterbildungsatelier» ist der Begriff für diese spezifische Räumlichkeit, in der sich diese kollektive Suchbewegungen entfalten können und Begegnungen stattfinden. Weiterbildungsateliers zielen auf das gemeinsame Erstellen von «Kontaktzonen» (vgl. Sternfeld 2014), in denen Verhandlungen stattfinden können. Die Gestaltung dieser Ateliers schafft die Gelingensbedingungen für eine kritisch-performative Lektürepraxis. Die Konzeption der Ateliers ist ein anspruchsvoller Prozess. Die generierten Szenarien, Formate und Weiterbildungskonzeptionen werden häufig von Kolleg*innen gespiegelt, die als «critical friends» Rückmeldungen geben, die Konzeptionen anreichern und für die verschiedenen Arbeitskontexte fruchtbar machen.
Die Teilnehmenden der Weiterbildungsateliers sind temporär freigestellt von den Zwängen und Verpflichtungen ihres Alltags. Sie begeben sich in einen Raum, in dem Verunsicherungen und Begegnungen mit offenem Ausgang erprobt werden können. Lesen lernen beginnt hier mit der Distanzierung und Einklammerung des institutionell Vertrauten und mündet in die Be- und Erforschung der Hochschule mitsamt ihren machtvollen Verfahren und Mechanismen.
Mehr dazu finden Sie unter Ateliers.